Philosophieren

Hier ein kleiner Einblick in den diesjährigen Schnupperkurs „Philosophieren“

Fünfmal haben sich fünf Kinder im Sitzkreis versammelt, um gemeinsam zu philosophieren.  
Unser „Gesprächswuschel“ war stets mit von der Partie, denn:  Wer ihn in der Hand hält, darf reden ohne unterbrochen zu werden und bestimmt, wem der Wuschelball als nächstes zugeworfen wird.
Begonnen haben wir jedes philsophische Treffen mit unserem Einstimmungsritual (siehe Fotos: ausgebreitete Arme, Hände an den Ohren etc.). Danach wurde meist eine Geschichte aus einem Kinderbuch vorgestellt, die zum Nachdenken über ein bestimmtes Thema eingeladen hat. Vor Weihnachten ging es ums Wünschen und da bot es sich an, einen kurzen Auszug aus „Eine Woche voller Samstage“ von Paul Maar vorzulesen.
Zum Thema „Streiten“ lasen wir: „Du hast angefangen – Nein du!“ von David McKee und „Echte Kerle“ von Manuela Olten. Gerade das „Echte Kerle“ Bilderbuch ist so nahe an der Erlebniswelt der Kinder gezeichnet, dass wir das Buch mindestens dreimal nacheinander angesehen haben und uns immer wieder neue Aspekte des Streitens auf dem Schulhof aufgefallen sind: das Verhalten der Streithähne, die Reaktion der Lehrerin und die unterschiedlichen Motive und Reaktionen der  Zuschauer.
Wir haben uns danach auch zwei Streitsituationen selbst überlegt und sie uns gegenseitig vorgespielt. In den jeweils anschließenden Gesprächen ging es um Fragen wie: Warum streiten sich die Menschen? Wie streiten wir? Warum kann Streiten auch gut sein? Wie fühlt sich streiten an? und noch einige mehr.
Beim Philosophieren spielt das Fragen eine zentrale Rolle und so haben uns Fragen auch als eigenes Thema beschäftigt: Sind denn alle Fragen philosophisch? Welche sind z.B. keine philosophischen? Es kam u.a. die Antwort: „Geht das Licht an?“ sei keine philosophische Frage, weil ja die Antwort durch Ausprobieren schnell herauszufinden sei. Auch die Frage: „Wieviel ist 10 mal 11?“ sei durch Ausrechnen ganz einfach zu beantworten. Ein wenig schmunzelnd meinte dann ein Kind, dass vielleicht für einen Erstklässler diese Frage doch eine philosophische Frage sei. Diese Überlegung wurde dann widerlegt durch den Einwand, dass es aber grundsätzlich Menschen gebe, die auch eine schwierige Matheaufgabe ausrechnen könnten. Abschließend haben wir „große“ (also philosophische) und „kleine“ Fragen gesammelt.
Beim nächsten Treffen ging es noch mal um die Bedeutung von Fragen und von Antworten. Die Kinder fragten sich: „Gibt es denn richtige oder falsche Antworten beim Philosophieren?“ und sie dachten darüber nach, was wohl der Unterschied sei zwischen „Glaube“ und „Wissenschaft“.
Am Ende jedes Treffens durften alle mit dem Daumen anzeigen, wie ihnen das Philosophieren gefallen hat. Indem wir sagten: „Mir hat es gefallen (oder eben nicht gefallen), weil ...“ übten wir – genau wie beim Philosophieren - unser eigenes Erleben zunächst einmal wahrzunehmen, um es dann zu formulieren. Wobei der nächste Schritt nicht fehlen darf, nämlich unsere daraus folgende positive wie negative Kritik auch zu begründen!
Dazu gehört ein wohlwollendes und wertschätzendes Klima, so dass die Kinder sicher sein können: meine Meinung wird gehört und ernstgenommen und meine Kritik wird als Anregung dankend aufgenommen.

Leitung der AG: Silvia Schüßler, Pädagogin


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Weitere Projekte zum Philosophieren von und mit Kindern finden sich auf folgenden Seiten:

Neigungsgruppe „Philosophieren“ am Hanns-Seidel-Gymnasium

Arbeitskreis “Kinder Philosophieren” in Kooperation mit der TU-Darmstadt

Die Akademie „Kinder philosophieren“ im Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft e.V.


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